Publikum Gasteig (c) BR / Astrid Ackermann

Willkommen zurück!

Nach der langen Durststrecke dürfen wir Sie endlich wieder bei uns im Herkulessaal, im Gasteig oder im Werksviertel-Mitte live begrüßen! Was für ein Glücksgefühl!

Aus gegebenen Anlass haben wir eine Kollegin aus dem Orchester und zwei Mitglieder der „Jungen Freunde des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks“ gebeten, darüber zu schreiben, wie es sich anfühlt, nach so langer Zeit endlich wieder vor Publikum zu spielen, und warum es so schön ist, wieder in den Konzertsaal kommen zu dürfen.

Viel Spaß – und auf hoffentlich viele gemeinsame und schöne Konzerterlebnisse!
Wir freuen uns auf Sie!

Ihr BRSO

 „wir brauchen Sie für die magischen Momente“

Christiane Hörr (c) BR / Astrid Ackermann
Christiane Hörr-Kalmer, Bratschistin im BRSO

Als Orchestermusikerin gewöhne ich mich an die gähnende Leere in Konzertsälen.
Manchmal blicken wenigstens Kameras vergnügt mit ihren rot blinkenden Lichtern zurück, wie kleine Roboter. Ein Ausblick in die digitale Zukunft? Keiner geht mehr ins Konzert, alles wird nach Hause geliefert?
Zu Beginn herrscht absolute Stille, so wie man sich das bei manchen Stücken normalerweise wünschen würde – aber andauernde Stille wirkt leer, energielos, deprimierend.
Denn durch das Abflauen der Geräuschkulisse, wenn gerade die letzten Neuigkeiten getuschelt werden, die Bonbons zurecht geraschelt werden, gibt es ein Decrescendo in die Stille mit einer enormen Energie der Erwartung – wie wird es heute werden?
Man wünscht sich Aufregendes, Niegehörtes, Betörendes, von den Gefühlen getragen zu werden – Erhabenheit. Manch einer findet in seinen wohlverdienten verzückten tiefen Schlaf. Alles gibt es, bei so vielen Menschen, die sich aus so vielfältigen Beweggründen im Konzertsaal zusammenfinden.
Man ersehnt sich den berühmten magischen Moment – die Sternstunde – wenn alle für wenige Sekunden das Gleiche empfinden. Von der Musik getragen werden, von der überwältigenden Kraft der Klangfülle, aber auch der Fast-Stille, der Zerbrechlichkeit, der Unendlichkeit – man hält den Atem an. Doch man ahnt wie flüchtig dieser kostbare Moment des gemeinsamen Innehaltens ist, er kann erschütternd und verstörend sein, aber auch traumverloren und entrückt.
Die inspirierende gemeinsame Energie der Stille, die zwischen Musizierenden und Hörenden pendelt, ist wahrlich eine andere Stille als die eines leeren Saals.
Die neue Saison wird spannend: Ein neuer Konzertsaal, die Isarphilharmonie.
Ziehen sie mit uns um, wir brauchen Sie für die magischen Momente.
Es muss sein!

Christiane Hörr-Kalmer
Bratschistin im BRSO

 

das Konzert ist so viel mehr als nur die Musik!

Jennifer Friske und Flavio Auer

Es ist sehr bequem, dass man sich für die Tätigkeit des Physikers eher selten rechtfertigen muss, dass allgemein akzeptiert wird, dass physikalische Forschung „sein müsse“. Schließlich ist ihr erklärtes Ziel zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammen hält. Bohrt man allerdings nach, was die Physik über letzte Gründe tatsächlich sagen kann, so stößt man freilich auch an ihre Grenzen. Die Wissenschaften können sehr viel über die Welt aussagen, aber sie sind nicht die einzige Form der Erkenntnis. Den Künsten wohnt eine ganz eigene Form der Einsicht inne, welche die der Naturwissenschaft ergänzt und ihr ebenbürtig ist. Beim Hören von Musik kann sich der Himmel öffnen, eine höhere Wahrheit plötzlich greifbar erscheinen, für einen Moment der göttliche Geist ganz nahe sein. Das passiert keineswegs immer, aber ab und an darf man solche unendlich wertvollen, magischen Momente erleben. Passiert ist das uns etwa bei der Aufführung von Mahlers 10. Symphonie unter Yannick Nézet-Séguin im Herkulessaal oder von Beethovens 9. Symphonie unter Bernard Haitink im Gasteig. Diese Ereignisse sind aber an das direkte Erleben gebunden, sind so nie beim Hören von Aufzeichnungen möglich. Besonders deutlich war das bei Respighis Pini di Roma in unserem letzten Konzert mit Mariss Jansons, das im Konzertsaal eine ungekannte Wucht entfalten konnte, die keine Aufnahme wiedergibt. Daher ist es, auch wenn viele der Einschränkung im letzten Jahr wohl ebenfalls sein mussten, absolut essentiell, bald wieder Konzerte in Präsenz besuchen zu können, denn das Konzert ist so viel mehr als nur die Musik!

Steckbrief:

Jenny und Flavio haben Physik in München studiert und besuchen seit Jahren eifrig Konzerte des BRSO und Aufführungen der Bayerischen Staatsoper. Seit zwei Jahren sind sie Mitglieder der Jungen Freunde des BRSO.
Alter: 24 bzw. 27
Beruf: Doktoranden
Lieblingskomponisten: Felix Mendelssohn-Bartholdy, Gustay Mahler
Was sie lieben? Musik, Kirchenarchitektur, Portwein, Agatha Christie