Sir simon rattle wird Chefdirigent

Sir SImon Rattle (c) BR / Astrid Ackermann

Die Nachfolge von Mariss Jansons als Chefdirigent von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks steht fest: Sir Simon Rattle wird ab der Konzertsaison 2023/24 die Leitung der beiden Ensembles übernehmen. Am 3. Januar 2021 hat er einen Fünfjahres-Vertrag mit dem Bayerischen Rundfunk unterzeichnet. Sir Simon, der derzeit Chefdirigent beim London Symphony Orchestra ist und zuvor in gleicher Funktion das City of Birmingham Symphony Orchestra und die Berliner Philharmoniker zu großen Erfolgen geführt hat, ist eine der musikalisch aussagekräftigsten Dirigentenpersönlichkeiten unserer Zeit.

Während seiner gesamten Karriere stand Sir Simon stets für einen Geist der Offenheit, der Erneuerung und des Aufbruchs innerhalb der klassischen Musikwelt. Diese Qualitäten machten ihn noch mehr zum Wunschkandidaten der Musikerinnen und Musiker des Chores und Symphonieorchesters, die sich in einem überwältigenden Votum für ihn ausgesprochen haben. Mit Beginn der Spielzeit 2023/24 wird der heute 65-Jährige nun das Amt des Chefdirigenten übernehmen. 

Ulrich Wilhelm, ehemaliger Intendant des Bayerischen Rundfunks

„Der Bayerische Rundfunk ist sehr glücklich, dass Sir Simon als neuer Chefdirigent nach München kommen wird. Mit seiner Leidenschaft, mit seiner künstlerischen Vielseitigkeit und mit seinem einnehmenden Charisma wird er ein überaus würdiger Nachfolger von Mariss Jansons sein. Unser Chor und unser Symphonieorchester freuen sich sehr darauf, mit ihm gemeinsam die künstlerische Konzeption für das neue Konzerthaus im Münchner Werksviertel Mitte zu entwickeln. So steht er wie kein anderer für neue Wege, Menschen für Musik zu begeistern. Ich empfinde dieses Engagement als wichtiges, zukunftsweisendes Signal, gerade in einer Zeit, in der die Kunst mit nicht für möglich gehaltenen Einschränkungen durch die Pandemie zu kämpfen hat.“

Sir Simon Rattle (c) Jim Rakete
Sir Simon Rattle

„Ich bin begeistert, die Position des Chefdirigenten von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks anzunehmen. Es ist eine Ehre, die Nachfolge von Mariss Jansons anzutreten, und ich freue mich darauf, diese wunderbaren Musikerinnen und Musiker für viele Jahre zu leiten.“

Erste Begegnung mit dem Symphonieorchester vor 50 Jahren

Im Oktober 1970 erlebte der Teenager Simon in seiner Heimatstadt Liverpool Beethovens Neunte Symphonie, aufgeführt vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Rafael Kubelík, während einer England-Tournee des Orchesters:

Sir Simon:
„Dieses Konzert sollte mein Leben verändern. Mir war das BRSO schon vertraut, weil ich ein großer Kubelík-Fan war und einige Langspielplatten gekauft hatte. Aber dieser Auftritt des Orchesters in Liverpool hat einen so tiefen und bleibenden Eindruck auf mich gemacht – auf einen Teenager, der sich in den Kopf gesetzt hatte, Dirigent zu werden. Da war so eine starke Verbindung zwischen Dirigent und Musikern zu erleben: nicht nur strahlten sie pure Freude beim Spielen aus, es schien als würden hier alle gleichgesinnt und mit derselben Philosophie musizieren. Dieses Konzert wurde für mich zu einer Art Maßstab für etwas, das man als Musiker erreichen möchte.

Als ich im Jahr 2010, fast 40 Jahre später, selbst erstmals vor diesem Orchester stand und wir den von mir so geliebten Schumann spielten, habe ich genau diesen “Spirit” wieder gespürt – obwohl nur noch eine Handvoll Musiker von damals dabei waren. Kubelík hat einen Ton gesetzt, eine Atmosphäre geschaffen, in der unglaublich flexibel, kultiviert und liebevoll musiziert wird – und diese Qualitäten wurden von seinen großartigen Nachfolgern sogar noch verstärkt, ganz besonders von meinem Freund Mariss Jansons, der mir und uns allen so fehlt.

Wenn ich also meine Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit diesen großartigen Ensembles, dem Orchester und dem Chor, zum Ausdruck bringe, möchte ich das nicht tun, ohne meine Dankbarkeit und meinen Respekt allen Musikerinnen und Musikern gegenüber auszusprechen, die hier in der Vergangenheit waren und für so eine künstlerische Wärme und so eine Menschlichkeit gesorgt haben.
Die Menschen kommen und gehen, das Ethos aber bleibt.

Sein Debüt gab Sir Simon Rattle bei BR-Chor und BRSO im Jahr 2010 mit einer Aufführung von Schumanns „Das Paradies und die Peri“. Auf den Programmen der gemeinsamen Projekte seither standen unter anderem Wagners Opern „Das Rheingold“ und „Die Walküre“ sowie Mahlers „Lied von der Erde“ – diese Aufführungen wurden vom BR-Klassik-Label als CDs veröffentlicht. Aber auch bei der Interpretation von unter anderem Rameau, Haydn, Mozart und Ligeti fanden Sir Simon und die beiden Ensembles in den letzten Jahren zu einer gemeinsamen Sprache. Im kommenden März wird er am Pult des BRSO zwei Programme dirigieren: unter anderem die Uraufführung eines Werks von Ondřej Adámek, Georg Friedrich Haas‘ monumentale Komposition „in vain“ sowie Musik von Purcell, Haydn, Brahms, Strawinsky und Messiaen.

Sir Simon:
„Aufbauend auf den wunderbaren Momenten des gemeinsamen Musizierens in den letzten zehn Jahren werden wir gemeinsam ein breites Spektrum an fantastischer Musik erkunden und Programme über viele Genres hinweg gestalten – sowohl für unser Live-Publikum in den Sälen als auch für die Zuschauer und Zuhörer der Medienkanäle des Bayerischen Rundfunks. Zu unseren Ambitionen gehören die Entwicklung der Kreativität des Orchesters mit der historischen Aufführungspraxis sowie der Aufbau engerer Verbindungen mit der musica viva-Reihe in der Stadt.

Vorstand des BRSO:
„Wir sind hocherfreut, Sir Simon Rattle als neuen Chefdirigenten willkommen zu heißen. Selten gibt es zwischen Dirigent und Orchester von Anfang an ein so tiefes gegenseitiges, musikalisches Verständnis. Sir Simon Rattle verkörpert den Wunsch des Orchesters, die große musikalische Tradition des BRSO zu pflegen und mit unserer Leidenschaft für die Musik auf neuen Wegen immer mehr Menschen zu erreichen. Es ist uns ein Herzensanliegen, gemeinsam auf dem musikalischen Vermächtnis unseres verstorbenen Chefdirigenten Mariss Jansons aufzubauen und sein Lebensprojekt, das neue Konzerthaus München, zu realisieren und mit Leben zu füllen. Wir können es kaum erwarten, mit Sir Simon Rattle als eine Einheit weiterhin das Musikleben zu prägen.“

Vorstand des BR Chores:
Mit Simon Rattle bekommen das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks einen Chefdirigenten, der nur als Glücksfall in der Nachfolge Mariss Jansons genannt werden kann! Unsere langjährige Zusammenarbeit zeichnet sich durch höchste musikalische Wärme und der für uns so wichtigen Hingabe an alle Musikstile und Epochen gleichermaßen aus. Die Atmosphäre war von Beginn an, mit Schumanns „Paradies und die Peri“, von großer gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Wir freuen uns auf alle künftigen Projekte und Möglichkeiten, von der Barockmusik bis zu Musica Viva.

Innovative Projekte, neue Medien, große Experimentierfreude

Das BRSO findet sich aber nicht nur in Sir Simons stilistischer Vielseitigkeit – von Barock- bis zeitgenössischer Musik – wieder, es schätzt auch seine Innovationsfreude und seine gesellschaftliche Aufgeschlossenheit: Die Einrichtung der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, 2008 noch ein Vorreiter in Sachen Internet-Livestreams, fällt genauso in seine Ära als dortiger Chefdirigent wie die Präsentation von zahlreichen erfolgreichen und mehrfach ausgezeichneten Education-Projekten: Die Dokumentation „Rhythm is it“ über Musikvermittlung in „Problemschulen“ und gegen den Bildungsnotstand brachte Klassische Musik und die Musikförderung sogar in ausverkaufte Kinosäle. Erst im vergangenen Jahr engagierte sich Sir Simon federführend bei der Gründung der LSO East London Academy, an der Profi-Musikerinnen und -Musiker Jugendliche mit diversen Hintergründen unterrichten und fördern.

Gemeinsame Herausforderungen: Gesellschaftliche Teilhabe im neuen Konzerthaus

Neben der musikalischen Arbeit freuen sich Sir Simon Rattle und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf weitere gemeinsamen Herausforderungen. Ihr Ziel, möglichst vielen Menschen in Bayern den Zugang zu Musik zu ermöglichen – gerade dann, wenn Herkunft und soziales Umfeld Hindernisse darstellen – teilen sie mit dem Konzerthaus-Projekt des Freistaats im Münchner Werksviertel Mitte. Bei dessen Planung steht neben einem akustisch erstklassigen Saal vor allem auch eine adäquate Infrastruktur für Musikvermittlung und Education-Projekte im Mittelpunkt – es liegt Sir Simon und dem BRSO viel daran, sie mit größtmöglicher Breitenwirkung nutzbar zu machen.

Sir Simon:
„Als Teil meiner neuen Rolle werde ich mich für das neue Konzerthaus in München einsetzen und dem Bayerischen Staat meine ganze Unterstützung anbieten, um dieses Projekt zu verwirklichen. Es wird dem BRSO das Arbeitsumfeld bieten, das es verdient, und für viele andere Musikerinnen und Musikern aus München, Bayern und darüber hinaus eine „Heimat“ sein. In der Zwischenzeit werden wir die Vermittlungsarbeit des Orchesters weiter ausbauen, sowohl im Werksviertel Mitte, wo der Saal entstehen wird, als auch in vielen anderen Gemeinden in ganz Bayern.“

In einer Reihe mit großen Namen

Sir Simon Rattle wird der sechste Chefdirigent in der Geschichte des BRSO und damit Nachfolger von Eugen Jochum, Rafael Kubelík, Sir Colin Davis, Lorin Maazel und Mariss Jansons sein.


VideoBotschaft Sir Simon Rattle

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Bildergalerie

Ulrich Wilhelm und Sir Simon Rattle © BR
Intendant Ulrich Wilhelm und Sir Simon Rattle bei der Vertragsunterzeichnung am 3. Januar 2021.
Ulrich Wilhelm und Sir Simon Rattle © BR
Der neue Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks tritt sein Amt in der Saison 2023/2024 in München an.
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Magdalena Kožená und Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Magdalena Kožená © Astrid Ackermann
BRSO © Astrid Ackermann
BRSO © Astrid Ackermann
BRSO © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle (c) BR / Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle (c) BR / Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle (c) BR / Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle (c) BR / Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle (c) BR / Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle und Mitglieder des BRSO (c) BR / Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
BRSO © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Sir Simon Rattle © Astrid Ackermann
Ulrich Wilhelm und Sir Simon Rattle © BR

Konzerte mit Sir Simon Rattle

Hier finden Sie Videos von Konzerten, die in der Vergangenheit bereits unter der Leitung von Sir Simon Rattle stattgefunden haben.

12. März 2021 – Herkulessaal der Residenz

Programm

Johannes Brahms
Serenade Nr. 2 A-Dur op. 16

Igor Strawinsky
Symphonien für Blasinstrumente

Joseph Haydn
Symphonie Nr. 90 C-Dur, Hob. I:90

Sir Simon Rattle, Dirigent
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


6. März 2021 – Herkulessaal der Residenz

Programm

Henry Purcell
Funeral Music for Queen Mary

Georg Friedrich Haas
in vain

Sir Simon Rattle, Dirigent
Howard Arman, Chor-Einstudierung
Duncan Ward, Orchester-Einstudierung
Zoro Babel, Lichtregie
Chor des Bayerischen Rundfunks
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


6. März 2021 – Philharmonie im Gasteig

Programm

Ondřej Adámek
„Where are You?“, für Mezzosopran und Orchester [2020] – Kompositionsauftrag der musica viva des Bayerischen Rundfunks und des London Symphony Orchestra | Uraufführung

Olivier Messiaen
Et exspecto resurrectionem mortuorum – für Bläser und Orchester

Sir Simon Rattle, Dirigent
Magdalena Kožená, Mezzosopran
Norbert Ommer, Klangregie
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


19. & 20. Juli 2020 – Philharmonie im Gasteig

Programm

Wolfgang Amadé Mozart
Ouvertüre zu „Le nozze di Figaro“

Gustav Mahler
Rückert-Lieder

Paul Dukas
Fanfare aus dem Ballett „La Péri“

Maurice Ravel
Ma mère l’oye (vollständige Ballettmusik)

Sir Simon Rattle, Dirigent
Magdalena Kožená, Mezzosopran
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


4. Juni 2020, Studio 1 BR-Funkhaus

Programm

Ralph Vaughan Williams
Fantasia on a Theme by Thomas Tallis

Wolfgang Amadeus Mozart
Bläserserenade B-Dur, KV 361 „Gran Partita“

Sir Simon Rattle, Dirigent
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


26. Januar 2018 – Herkulessaal der Residenz

Programm

Robert Schumann
„Symphonie Nr. 3 Es-Dur“ / „Rheinische“

Gustav Mahler
„Das Lied von der Erde“

Sir Simon Rattle, Dirigent
Magdalena Kožená, Mezzosopran
Stuart Skelton, Tenor
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


Weitere Videos

BRSO-YouTube-Playlist Sir Simon Rattle

Anne Schoenholtz im Gespräch mit Sir Simon

„Für mich fühlt es sich gerade an wie ein Festessen nach einer Hungersnot!“ Sir Simon Rattle hat am 4. Juni 2020 mit unserer Geigerin Anne Schoenholtz über das erste gemeinsame Projekt nach dem Lockdown gesprochen, über das gewählte Programm und darüber, wie er die letzten Monate erlebt hat.

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Probenstreiflicht

Im Juli 2020 durften wir bei einer Probe Sir Simon Rattle treffen und mit ihm über das Programm der Konzerte am 19. & 20. Juli sprechen.
Den Konzertmitschnitt finden Sie weiter oben auf dieser Seite.

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Sir Simon Rattle Probt „Das Rheingold“ von RIchard Wagner

Simon Rattle dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Auf dem Programm: „Rheingold“ von Richard Wagner. BR-KLASSIK besuchte den Dirigenten bei der Probe zu einem der Konzerthighlights des Jahres 2015.
Inzwischen ist die Aufführung auch auf CD erschienen.

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