Jens Malte Fischer

Plädoyer für eine Erweiterung des Blicks

07.05.21 | Jens Malte Fischer

Große Musik ist keine Unterabteilung der Unterhaltungsindustrie. Unter dem Eindruck der Pandemie ermutigt Jens Malte Fischer die Orchester zu einer Erweiterung des Repertoires und zum Nachdenken über Teile des bisherigen Musikbetriebs.

Jens Malte Fischer (c) Isolde Ohlbaum

Überlegungen zur Situation bedeutender symphonischer Musik in Gegenwart und Zukunft

 Es ist ja sicherlich im Sinne dieses Dossiers, dass innerhalb der einzelnen Beiträge auch gelegentlich aufeinander Bezug genommen wird. Deshalb möchte ich zunächst einmal an das aufschlussreiche Interview anknüpfen, das Vera Baur erst vor kurzem an dieser Stelle mit dem Dirigenten Franz Welser-Möst geführt hat. Welser-Möst ist schon seit längerem dafür bekannt, dass er den internationalisierten, man kann auch sagen globalisierten Musikbetrieb im Bereich der sogenannten klassischen Musik mit kritischen Augen sieht, auch wenn er selbst natürlich teilweise ein Bestandteil dieses Betriebs ist. Seine Überlegungen dazu, dass die klassische Musik in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr in Richtung Unterhaltung gerückt worden ist und zwar durch den Betrieb selbst, regen zum Nachdenken an. Diese Entwicklung hat ja auch entsprechende Antworten in den Einschätzungen der Öffentlichkeit gehabt, auch in der Politik, die beispielsweise bei der coronabedingten Schließung von Konzerthäusern und Opernhäusern diese Stätten der angewandten Musikkultur unter den Oberbegriff „Unterhaltung“ eingeordnet hat. Welser-Möst plädiert dafür, sich auf die Relevanz von großer Kunst zurückzubesinnen und nicht mehr so marktschreierisch den Einschaltquoten, den gefüllten Sälen und den Absatzzahlen von CDs und auch moderneren Vermittlungstechniken hinterherzujagen. Völlig richtig ist auch sein Hinweis darauf, dass die sogenannten Kulturschaffenden eine Verankerung in der Gesellschaft brauchen, in der sie primär tätig sind. Die Tourismusabhängigkeiten von großen Opernhäusern, er nennt die Wiener Staatsoper als Beispiel, die ihm wohlvertraut ist, sowie die abnehmende örtliche Gebundenheit von Orchestern erscheinen Welser-Möst problematisch. In diesem Zusammenhang wird er im Interview gefragt, ob seine Überlegungen nicht auf ein Plädoyer für weniger Internationalität, für weniger ständiges Um-den-Globus-Touren und für wirklich kontinuierliche, vertiefende Arbeit mit den Menschen vor Ort hinauslaufen, was er nur bestätigen kann. An anderer Stelle kommt von ihm der Satz: „Auch ich muss nicht immer in ein Flugzeug steigen“, was derzeit auch ein Nebeneffekt der so gravierenden Pandemie ist: Man merkt, dass nicht jede Geschäftsreise, nicht jeder Flug zu einer kurzen Konferenz, sei es in Wirtschaft oder Wissenschaft, unbedingt nötig ist, sondern dass die modernen technischen Kommunikationsmittel da durchaus einiges, natürlich nicht alles ersetzen können.

 

Risikolose Programme auf Kosten des Klimas?

Und schon kommen erste Stimmen auch aus der Klassikbranche (ein Begriff, der wie auch Klassikmarkt, Klassikbusiness, Klassikbetrieb auf den wirtschaftlichen und pekuniären Faktor von kultureller Produktion ziemlich aufdringlich hindeutet), die sich fragen, ob der internationale globalisierte Musikbetrieb nicht doch zu viele Reisen voraussetzt, die meistens mit dem Flugzeug zurückgelegt werden, das nun einmal einen wesentlichen Faktor der Luftverschmutzung darstellt, und ob es in diesem Ausmaß so weitergehen muss. Erst kürzlich war nicht ganz unamüsant zu lesen, dass sogar die Stars der internationalen Surferszene, die ja rund um den Globus der geeigneten Monsterwelle nachreisen und damit viel Geld verdienen können, ins Grübeln kommen, ob an ihrem Verhalten alles wirklich richtig ist. Ein erheblicher Denkanstoß in diese Richtung ging gerade (Ende April 2021) vom Bundesverfassungsgericht aus, das erklärte, das deutsche Klimaschutzgesetz von 2019 greife zu kurz, weil ausreichende Vorgaben für die Emissionsminderung ab 2031 dort fehlen. Das Gericht hat den Gesetzgeber aufgefordert, hier deutliche Präzisierungen vorzunehmen.

Dementsprechend müssen sich auch die großen und bedeutenden Orchester dieser Welt fragen lassen und selbst fragen, ob sie weiterhin verantworten können, etwa regelmäßig mit rund 100 Musikern und den entsprechenden Instrumenten beispielsweise nach Japan zu fliegen, und dann auch irgendwann zurück, um dort Beethovens Fünfte Symphonie und das Erste Klavierkonzert Tschaikowskys darzubieten. Und was für unsere heimischen großen Orchester gilt, muss natürlich reziprok auch für Orchester gelten, die aus fernen Landen zu uns kommen, um bei uns, natürlich vor allem in den größeren Städten, die selbst Orchester oft hoher und höchster Qualität haben, ebenfalls Beethovens Fünfte Symphonie und das Erste Klavierkonzert Tschaikowskys zu spielen. Dabei ist eine Beobachtung zu machen, die jeder meiner Leser schon gemacht hat, dass nämlich die Gastorchester, die etwa in München gastieren und eine hohe Saalmiete zahlen müssen, außerdem oft privatwirtschaftlich organisiert sind, gerade auf ihren Tourneen, auf dass die Säle voll werden, Programme darbieten, die sich durch hohe Risikolosigkeit auszeichnen, während unsere subventionierten Orchester sich da auch auf ihren Tourneen einen etwas größeren Wagemut leisten können.

Wie gesagt: Die Überlegungen darüber, wie es mit dem arg gebeutelten Musikleben in Deutschland nach der Pandemie weitergehen soll, sind ja derzeit überall diskussionsbestimmend, wobei fest angestellte Orchestermusiker zumindest hierzulande sich oft in einer deutlich besseren Situation befinden als Solisten. Auch solche Solisten, die bisher gut bis sehr gut verdient haben, kommen inzwischen teilweise um Überlegungen nicht herum, wie sie laufende Verpflichtungen, die sie in besseren Zeiten eingegangen sind, weiterhin decken können, eine äußerst schwierige Situation, von der auch bekannte und berühmte Namen nicht verschont bleiben. Man könnte nun einwenden, dass gerade die jetzige Pandemiesituation der falsche Zeitpunkt ist, um über Reduzierungen und Selbstbeschränkungen im Bereich der klassischen Musik nachzudenken. Ich bin da ganz anderer Meinung. Natürlich wird niemand so zynisch sein, sich zu wünschen, dass die Pandemie der Bedeutung der klassischen Musik, der Kultur insgesamt, ein für alle Mal schweren Schaden zugefügt, oder sie gar mit dem schrecklichen Begriff „mangelnde Systemrelevanz“ an den Rand zu drängen versuchen. Die gegenwärtige Situation ist, vor allem, weil niemand vorhersagen kann, wann sie so weit geklärt ist, dass Opern- und Konzerthäuser unter bestimmten Bedingungen sich dem Publikum wieder öffnen können, für alle, denen Kultur Lebensmittel ist, deprimierend. Für die, die etwa große Musik interpretieren und deren klangliche Vitalität in der Präsenzsituation herstellen, ist sie geradezu desaströs, zunächst ganz unabhängig davon, ob Musiker finanziell einigermaßen abgesichert sind oder sich im freien Raum der Selbstständigkeit bewegen, der derzeit seine potenzielle Abgründigkeit massiv zur Schau stellt. Natürlich wird und muss das sich wieder ändern, aber dennoch sollten jetzt schon Überlegungen angestellt werden, ob man wieder zu den teilweise hypertrophen und durchaus dekadenten Auswüchsen der globalisierten Musikkultur, und das nicht nur im Bereich der klassischen Musik, unbedingt zurückkehren muss, und ob nicht eine etwas bescheidenere und ökologisch verantwortlichere Struktur Gegenstand von Überlegungen aller Verantwortlichen, aber auch des Publikums, sein sollte, sein müsste. In diesem Sinne ist dem, was Franz Welser-Möst in diesem Interview, auch schon mehrfach zuvor und auch in seinem Buch gesagt hat, sehr deutlich und dezidiert zuzustimmen, und es ist zu hoffen, dass sich seine Überlegungen unter seinen Dirigenten-Kollegen, unter den Solisten und unter den Orchestern intensiv weiterverbreiten.

 

Plädoyer für eine Erweiterung des Blicks

Ein zweites Thema, das ich an dieser Stelle behandeln möchte, betrifft die Programmierung der Konzerte unserer Symphonieorchester. Da könnte man jetzt auch einwenden: Ist aktuell der richtige Zeitpunkt, um so etwas zu behandeln? Meine Antwort darauf ist eine positive, denn es sind dies Überlegungen, die über die derzeitige Situation weit hinausreichen.

Vergleicht man (und der Autor dieser Zeilen ist ein schon älteres Semester) die Konzertprogramme der letzten Jahre (vor der Pandemie, versteht sich) mit denen vor 40, 50 Jahren, dann ist hier schon Einiges geschehen. In vielen Konzerten findet sich ein Werk, das der Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder des beginnenden 21. Jahrhunderts angehört. Solche Kompositionen werden flankiert von den großen Meisterwerken der Symphonik, vor allem von Mozart, Beethoven, Brahms, Bruckner, Mahler, es treten hinzu die Symphonischen Dichtungen von Richard Strauss und zunehmend, was zu begrüßen ist, die Symphonien von Schostakowitsch.

Natürlich ist gegen die Präsenz dieser nicht nur sogenannten großen Meisterwerke in den Konzertprogrammen überhaupt nichts zu sagen, und auch die gelegentlich zu hörende These, dass diese Meisterwerke durch permanente Präsentation Abnutzungserscheinungen erleiden, ist ja mehr als zweifelhaft. Wenn ich dennoch dafür plädiere, den Blick auf Unbekanntes und auch weniger Bekanntes zu richten, dann geht es mir nicht um eine Ersetzung des einen Meisterwerks durch ein anderes, weniger bekanntes, sondern um die Erweiterung des Blicks. Die Zwänge der Pandemie, dies als Nebenbemerkung, haben es übrigens mit sich gebracht, dass notwendige kleinere Orchesterbesetzungen plötzlich den Blick auf ein bisher weniger beachtetes Repertoire lenken.

Nicht diskutieren möchte ich die notwendige Befassung der Orchester mit der zeitgenössischen Musik, und das ist jetzt die des 21. Jahrhunderts, und einer gewissen Verpflichtung, auch Uraufführungen zu spielen. Ob dies wie beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks vor allem in einer gesonderten Konzertreihe, der „musica viva“ geschieht oder in den normalen Abonnementsprogrammen, ist eine schon gelegentlich diskutierte, aber sekundäre Frage.

Meine Anregung richtet sich also eher in die Vergangenheit der Musikgeschichte. Hier wäre zu unterscheiden zwischen weniger bekannten Werken der großen Meister und noch weniger bekannten Werken der durchaus großen, aber nicht zureichend bekannten Meister. Für die erstere Kategorie soll hier nur ein Beispiel stehen: die beiden Serenaden von Johannes Brahms. Ein aktueller Konzertführer sagt dazu: „Die beiden Serenaden von Brahms werden im heutigen Konzertleben etwas stiefmütterlich behandelt. Interesse dürfen sie aber gerade deshalb beanspruchen, weil sie auf sehr reizvolle und individuelle Weise gleichsam zwischen den Gattungen stehen: in vielen Züge nicht mehr Serenade und in mindestens ebenso vielen noch nicht Symphonie.“ Erfreulicherweise haben Simon Rattle und Robin Ticciati mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks erst kürzlich beide Serenaden aufgeführt. Um bei Brahms zu bleiben: sein „Deutsches Requiem“ und die sogenannte „Alt-Rhapsodie“ sind regelmäßig zu hören, warum aber nicht das „Schicksalslied“, die „Nänie“ und der „Gesang der Parzen“, jeweils für Chor und Orchester geschrieben?

Daneben jedoch gibt es Komponisten und Werke, die zumindest bei uns durchaus unterrepräsentiert sind (in ihren jeweiligen Heimatländern sieht es hier und da etwas besser aus, aber keineswegs durchgehend). Die Leser dieser Zeilen werden um Nachsicht gebeten, wenn es jetzt ein wenig nach „name dropping“ aussehen mag; das ist aber in der Kürze, die hier geboten ist, nicht anders zu machen. Eine grob chronologische Reihenfolge sei eingehalten:

Blicken wir zunächst ins späte 19. Jahrhundert. Da ist die B-Dur-Symphonie von Ernest Chausson, ein bedeutendes Werk, dann die einzige Symphonie von Paul Dukas, die, wie auch die Musik Vincent d’Indys, mehr Beachtung verdient. Der faszinierende Einzelgänger Albéric Magnard, eines der ersten Opfer des Ersten Weltkriegs, der 1914 von deutschen Soldaten erschossen wurde, als er seinen Landsitz westlich von Paris gegen die einmarschierten Truppen verteidigen wollte, hat vier Symphonien geschrieben, von denen die Dritte und Vierte wirkliche Meisterwerke sind. Von Nikolai Rimskij-Korsakow hören wir immer wieder gerne die symphonische Suite „Scheherazade“, würden aber auch gerne gelegentlich die drei Symphonien aus seiner Feder erleben. Unter den acht Symphonien von Alexander Glasunow sind besonders die Vierte und die Fünfte aller Aufmerksamkeit wert.

Der österreichische Komponist Franz Schmidt, dessen großes Oratorium „Das Buch mit sieben Siegeln“ glücklicherweise doch immer wieder zu hören ist, hat vier Symphonien geschrieben, von denen wie bei Albéric Magnard zu bemerken ist: Die Dritte und Vierte sind Meisterwerke, deren Vernachlässigung im Konzertsaal nicht richtig zu verstehen ist. Wie Schmidt war sein deutscher Kollege Hans Pfitzner als homo politicus, um es vorsichtig auszudrücken, keine vorbildliche Gestalt. Das ändert in beiden Fällen nichts am Rang der Musik. Die Symphonie cis-Moll und das Violinkonzert h-Moll verdienen größere Aufmerksamkeit, an seinem Klavierkonzert Es-Dur scheiden sich die Geister der wenigen, die es kennen. Nicht viel mehr kennen das einzige Klavierkonzert von Max Reger in f-Moll, und das ist nun wirklich eine bedeutende Komposition, derer sich immer wieder, aber doch viel zu selten, bedeutende Pianisten und Dirigenten angenommen haben. Aber daneben gibt es bei Reger, der sich zu einer gestandenen Symphonie nicht aufraffen konnte, Großartiges zu entdecken wie den „Symphonischen Prolog zu einer Tragödie“, die „Mozart“- und „Hiller“-Variationen, die „Vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin“, die „Romantische Suite“. Walter Braunfels hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Wiederbelebung erfahren, deren Schwerpunkt allerdings im Bereich der CD-Produktion liegt. Seine vielgestaltigen Orchesterwerke haben den Einzug in die Konzertsäle noch nicht geschafft, ähnliches gilt für seinen elsässischen Kollegen Charles Koechlin, für den sprechen müsste, dass ein so subtiler Musiker wie Heinz Holliger sich intensiv für ihn eingesetzt hat. Dieser Reihe wäre noch der Rumäne Georges Enescu einzufügen, wie auch der polnische Komponist Karol Szymanowski und der Tscheche Bohuslav Martinů mit seinem enorm breiten und fruchtbaren Schaffen, seinen Symphonien und Klavierkonzerten.

Etwas besser sieht es bei Josef Suk aus, dessen Symphonie „Asrael“ glücklicherweise jetzt häufiger zu hören ist, daneben wäre Weiteres bei ihm zu entdecken. Wenn wir den Blick nach England wenden, dann kommen uns Komponisten in den Sinn, die hierzulande nicht unbekannt sind, aber meistens nur mit einem Werk, während alles andere, was sie schufen, so gut wie nicht gespielt wird: Edward Elgar, Frederick Delius, Ralph Vaughan Williams, Arnold Bax, William Walton und, mehr als eine besondere Kuriosität, Havergal Brian, mit insgesamt 32 Symphonien, von denen die erste, die sogenannte „Gotische“, den relativ größten Ruf hat, weil sie den viel zitierten Hang der Engländer zur Exzentrik schlagend belegt: Die Besetzung umfasst ein riesig besetztes Symphonieorchester, zusätzlich vier Blechbläserorchester, Orgel, zwei doppelte Chöre, einen Kinderchor und vier Gesangssolisten – hier verblasst sogar, zumindest was den Aufwand betrifft, Gustav Mahlers sogenannte (nicht von ihm so benannte) „Symphonie der Tausend“, die „Achte“. Sehr viel größere Beachtung als bisher verdient auf jeden Fall auch die Komponistin Ethel Smyth, die ihre größten Erfolge mit Opern hatte, mit ihrem apart besetzten Konzert für Violine, Horn und Orchester und der großformatigen Vokalsymphonie „The Prison“. Die Ansicht, dass man als farbiger Komponist um 1900 in England chancenlos war, wird widerlegt durch Samuel Coleridge-Taylor, Sohn eines Arztes aus Sierra Leone und einer Engländerin. Er thematisierte in seiner kurzen aber bedeutenden Karriere auch seine Herkunft und hinterließ mehrere seinerzeit erfolgreiche Kantaten und ein eindrucksvolles Violinkonzert.

Eine überragende Erscheinung ist auf jeden Fall der schwedische Komponist Allan Pettersson. Vor 10, 15 Jahren gab es für ihn, der 1980 starb, eine minimale Wiederbelebung des Interesses, die aber schon bald wieder versandete. Heute ist er leider wieder in eine weitgehende Obskurität zurückgefallen. Er schrieb 15 abgeschlossene Symphonien, die zum Bedeutendsten zu zählen sind, was das 20. Jahrhundert an symphonischer Musik hervorgebracht hat. Vor allem mit den sogenannten mittleren Symphonien zwischen der Fünften und der Neunten ist nach meiner Erfahrung auch ein Publikum, dem er nahezu völlig unbekannt ist, erheblich zu beeindrucken, vorausgesetzt, es ist ein Publikum, das bereit ist, es sich mit dieser Musik nicht leicht zu machen, im anfangs angesprochenen Sinne von Franz Welser-Möst große Musik nicht als Unterabteilung der Unterhaltungsindustrie zu betrachten.

Und eine letzte Erwähnung sei gestattet, zurückkommend auf den deutsch-österreichischen Kulturbereich: Alexander Zemlinsky, der sein Leben lang im Schatten anderer stand, denen er auch als Dirigent treulich diente. Sind seine „Lyrische Symphonie“ und seine Symphonische Dichtung „Die Seejungfrau“ wirklich vernachlässigenswert? Sie sind zwar nicht gänzlich vergessen, werden aber zu wenig gespielt.

 

Damit soll es vorläufig sein Bewenden haben. Diese hoffentlich nicht allzu ermüdende Aufzählung möchte eine kleine Anregung sein dafür, den Blick in die Breite des Repertoires zu erweitern. Auf Tonträgern ist das alles glücklicherweise eingespielt. Da hat die Musikindustrie in den letzten 40, 50 Jahren doch wirklich Erstaunliches geleistet. Aber der entscheidende Schritt in den Konzertsaal steht in den meisten der genannten Fälle noch aus. In einer Erzählung des österreichischen Dramatikers Franz Grillparzer steht der Satz, dass man die Berühmten nicht verstehen könne, wenn man die Obskuren nicht durchgefühlt habe. Obskur sind allerdings alle genannten Komponisten keineswegs, aber sie sind nicht ausreichend bekannt. Es wäre schön, wenn sich das, in besseren Zeiten als den derzeitigen, ändern würde.


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