Slider Musiker & Instrumente - Streicher (c) Bureau Borsche

„Es ist schön, die Begeisterung zu sehen“

Auch die größten Musiker haben klein angefangen. Das heißt auch: auf kleinen Instrumenten. Eine (kleine) Umfrage über die Anfänge der Kollegen im BRSO. Text: Florian Zinnecker.

„Als ich anfing, stellte mir mein Lehrer ein Podest an die Pauken, damit ich groß genug bin – ich war gerade 5. Es gibt natürlich kleinere Pauken als die, die wir im Orchester spielen – das wären Barockpauken, oder Orff-Pauken, die speziell für Kinder gedacht sind. Aber die eignen sich eher dafür, Lust auf Musik zu machen. Wer es ernst meint, braucht professionellere Instrumente. Welche Faszination Pauken wecken können, sehe ich immer bei Kinderkonzerten, wenn die Zuschauer auf die Bühne ins Orchester kommen. Da bildet sich bei meinem Instrument meist eine große Traube, die Kinder stellen sich hin und ballern einfach los. Mein Sohn macht das auch – und es ist schön, diese Begeisterung zu sehen.“
Raymond Curfs, Pauke

„Kinder sollten sich Zeit lassen, bevor sie beginnen, Klarinette zu spielen. Die Hände müssen groß genug sein; außerdem liegt das Mundstück an den oberen Schneidezähnen; das sollten keine Milchzähne mehr sein. Ich selbst habe mit 8 Jahren auf der B-Klarinette begonnen, mich allerdings noch eine ganze Weile gequält, bis die Finger alle Klappen erreichen konnten. Bei kurzen Fingern macht es Sinn, auf einer etwas kleineren C-Klarinette zu beginnen. Manche beginnen auch auf der sehr kleinen Es-Klarinette, was ich wegen des deutlich anderen Klangbildes nicht empfehlen würde. Anfängerinstrumente haben weniger Klappen und teilweise offene Löcher. Die zusätzlichen Klappen auf den Profiinstrumenten ermöglichen eine feinere Intonation und mehr Griffvarianten, würden den Anfänger aber eher verwirren.“
Bettina Faiss, Klarinette

„Bei uns Streichern gibt es kleinere Versionen jedes Instruments, von der Geige bis zum Kontrabass. Es gibt sogar alte Kinderinstrumente von berühmten italienischen Meistern – aber natürlich wird ein kleineres Instrument klanglich nie so richtig mithalten können, weil das Volumen kleiner ist. Auf dem Cello kann man problemlos als Kind anfangen, und bei Jugend musiziert oder den zahlreichen Jugendorchestern hört man schon sehr viele begabte Kinder. Ich finde aber, man sollte den Kindern dabei immer zugutehalten, dass sie es mit einem unvollkommeneren Instrumentarium zu tun haben als wir – richtig gut zu klingen ist für sie eigentlich schwieriger als für uns.“
Stefan Trauer, Cello

„Eine Tuba muss man auch körperlich bewältigen können. Ich hatte meine erste richtige Tuba erst mit 15, aber ich habe Trompete gespielt, seit ich 6 war. Ein Schüler braucht ein Instrument, das von sich aus schon sehr leicht anspricht, rund klingt und sehr gut stimmt. Das ist wichtig, weil man als Schüler das Intonieren erst lernen muss. Eine gute „Kinder-Tuba“ gibt es nicht wirklich, aber so etwas ähnliches leihen wir uns gerne bei unseren Posaunenkollegen: das Euphonium, eine Tenortuba sozusagen. Sieht aus wie eine kleine Tuba, klingt aber in Tenorlage und hat ein Posaunenmundstück. Das ist ein guter Weg zur großen Tuba, mein Sohn hat gerade damit angefangen.«
Stefan Tischler, Tuba

„Das erste Mundstück prägt fürs Leben; das ist das Ideal, nach dem man unterbewusst immer wieder sucht. Kindertrompeten gibt es nicht, zum Trompete spielen braucht man die zweiten Zähne. Wenn diese noch nicht da sind, kann man mit einem Harmonie-Instrument einsteigen, um das Gehör zu schulen. In meinem Fall war das das Akkordeon. Ich bekam meine erste Trompete mit sieben, habe aber schon mit drei auf der Trompete meines Vaters herumgespielt – das hat sie leider nicht lange überlebt.“
Martin Angerer, Trompete

„In meiner Generation gab es zwei Wege zum Schlagzeug: Schulband oder die Blaskapelle. Bei mir war es die Band, ich wollte Rockstar werden. Kinder zum Trommeln zu motivieren ist kein Problem, jeder trommelt gern herum. Die Herausforderung besteht darin, Struktur in die Trommelei zu kriegen. Ein guter Anfang ist immer: auf der kleinen Trommel die Schlagtechnik lernen und parallel zwei, drei Jahre Klavier zu spielen. Dann tut man sich auf dem Marimbaphon später viel leichter.“
Guido Marggrander, Schlagzeug

„Das Schöne am Klavier ist ja: Man kriegt sofort vernünftige Töne heraus, anders als bei Streichinstrumenten. Deshalb kann man theoretisch auch schon im Vorschulalter anfangen, so wie ich, ich war erst 4. Kinderklaviere gibt es nicht, die braucht es auch nicht, der Abstand der Tasten ist ja immer derselbe. Von Keyboards halte ich wenig, die schaden eher, es geht beim Klavier ja darum, den Ton über die Berührung der Tasten zu formen.“
Lukas Maria Kuen, Klavier

„Ich habe als Kind mit 7 Jahren mit der Geige begonnen und bin erst mit 17 auf den Kontrabass umgestiegen, weil unser einziger Bassist im Schulorchester Abitur machte und wegging. Man kann aber durchaus schon mit 6 oder 7 Kontrabass spielen– es gibt sehr gute Kinderinstrumente, kleine Kontrabässe, teils auch bunt lackiert, die man mieten kann.“
Heinrich Braun, Kontrabass

„Es gibt heute sehr gute Fagottini für Kinder. Die gab es, als ich angefangen habe, noch nicht. Als Anfänger verbringt man die ersten Monate erst einmal nur mit dem Rohr, trainiert die Zunge und die Gesichtsmuskeln mit Atem-, Artikulations- und Rhythmusübungen. Das braucht Geduld, kann aber auch viel Spaß machen – und es ist sehr motivierend, wenn dann etwas später das Instrument dazukommt. Wenn die Kinder dann größer und robuster werden, kann man mit dem „richtigen“ Fagott anfangen, aber das ist immer individuell zu entscheiden.“
Marco Postinghel, Fagott

„Dirigieren kann theoretisch jeder, eine Altersgrenze gibt es nicht. Man braucht aber sehr viel praktische Erfahrung – und den Mut, sich vor andere Musiker zu stellen und sie zu überzeugen, das zu tun, was man für richtig hält. Genau das ist auch der erste Schritt: Ich habe Kollegen gefragt, ob sie mit mir proben würden, dann gab es ein erstes Konzert. Man braucht aber auch Glück und Ausdauer. Und ich stelle fest, dass Dirigieren viel mehr Arbeit bedeutet: Ich muss jede Stimme der Partitur lernen, nicht nur eine, wie bei meiner Stelle als Bassposaunist. Deshalb muss man sich irgendwann entscheiden.“
Joseph Bastian, Bassposaune, verlässt das Orchester zur neuen Saison für seine Dirigentenkarriere