»Tuba spielen macht mich glücklich«

Education 2018 Tuba

Der warme, runde Klang ist es, der Stefan Tischler an seinem Instrument fasziniert. Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht mindestens eine Stunde spielt – sein Sohn hat auch schon angefangen. Von Florian Zinnecker.

»Mein Trompetenlehrer fragte mich: Hättest du nicht Lust, Tuba zu spielen? Seit diesem Tag habe ich nie wieder Trompete gespielt. Ich war 15 und hatte kurz zuvor in der Berliner Philharmonie das Tuba-Konzert von Vaughan Williams gehört; das hat mich sehr beeindruckt. Ich konnte mich dafür gleich sehr begeistern und war sofort motiviert. Mein Vater war Hobbytrompeter, und seit ich denken kann, habe ich immer mal wieder in verschiedene Trompeten reingeblasen. Schon als Vierjähriger habe ich da irgendwelche Töne rausgekriegt. Und bei uns zu Hause stand im Wohnzimmer auch eine alte Trompete zur Zierde, ziemlich verbeult, da habe ich immer mal wieder reingespielt. Damit bin ich groß geworden, und als ich mit sechs angefangen habe, Unterricht zu bekommen, war der Grundstein schon gelegt.

Bei der Tuba hat mich der runde, warme, weiche Klang fasziniert. Ich hatte relativ schnell, weil ich von der Trompete kam, einen recht großen Tonumfang. Und deshalb war die Tuba für mich auch sehr leicht zu spielen. Das war ein sehr guter Start, ein guter Zugang, ein positives Gefühl. Dann habe ich meine Trompetenstücke auf der Tuba gespielt, einfach zwei Oktaven tiefer. Später dann die Mozart-Hornkonzerte, damit bin ich auch bei »Jugend Musiziert« angetreten. Ich habe schnell im Blechbläserensemble der Musikschule gespielt, im Landesjugendorchester, mein Ehrgeiz war sofort geweckt. Ich wollte den Anforderungen genügen, ich wollte gut werden. Dann gab es am Landestheater einen viel älteren Kollegen, der nicht mehr so motiviert war – für den habe ich Dienste übernommen, dort haben mich dann die Kollegen vom Theater entdeckt und wir haben Kammermusik gemacht. Ziemlich schnell, nachdem ich zur Tuba gewechselt bin, wollte ich Profi-Musiker werden.

Es gab einen Plan B, ein Back-Up: Medizin. Ich hatte auch schon einen Studienplatz. Aber dann habe ich die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule bestanden, exakt bei dem Lehrer, zu dem ich unbedingt wollte. Dann war für mich klar, dass ich das wagen wollte.

Ein Tuba-Ton entsteht am Mund. Die Lippen werden in Schwingung gebracht, der Klang entsteht im Körper, das Instrument ist nur der Verstärker. Schön klingt eine Tuba dann, wenn sie nicht aufdringlich ist. Es darf trotzdem kraftvoll sein, etwa in einer Mahler-Symphonie, aber die Grundidee ist immer ein wohlwollender, runder, weicher Klang, finde ich. Das schafft man, indem man über die Luft spielt, wie wir sagen: mit Körperspannung, natürlicher Atmung. Ich strenge mich nicht an, eine besondere Atemtechnik zu beherrschen, im Gegenteil, ich atme so natürlich wie möglich. Nicht aufgesetzt, immer sehr organisch.

Ich übe wahrscheinlich gar nicht anders als die Hornkollegen oder die Trompeter, ich habe verschiedene Übeprogramme, die ich von Zeit zu Zeit abwechsle. Bestimmte Stücke, Etüden, vor allem Tonleitern – in verschiedenen Dynamiken, von sehr leise bis sehr laut.

Am schwierigsten sind nicht die lauten Töne, sondern die leisen. Daran muss ich jeden Tag arbeiten: dass die Töne trotzdem gut ansprechen, dass ich eine sehr gute Klang- und Luftkontrolle habe. Es gibt auch ein paar Übungen, die einem irgendwann ziemlich auf die Nerven gehen: Kraft- und Ausdauer-Etüden, die man machen muss, weil man sie eben braucht. Dabei würde ich mich manchmal am liebsten vor den Fernseher setzen und die Übungen einfach runterreißen. Eineinhalb Stunden Üben täglich ist das Minimum. Wenn man etwas Schwieriges zu spielen hat, können es auch drei, vier Stunden täglich sein. Wenn ich weiß, ich habe im Mai ein Solokonzert mit Orchester zu spielen, dann richte ich mein Übeprogramm etwa ein halbes Jahr vorher darauf ein und bereite mich ab Weihnachten gezielt vor.

Diese Arbeit ist ein großes Geschenk. Ich habe es geschafft, meine Begeisterung für Musik zum Beruf zu machen. Ich spiele wahnsinnig gerne im Orchester, das macht mich sehr, sehr glücklich, mit den Kollegen und großartigen Dirigenten, ich spiele auch gerne im Quintett, ich unterrichte gern. Und es ist bis heute so, dass ich wie auf Drogen stehe, wenn ich ein tolles Werk spiele, das macht mich einfach glücklich.

Mein Sohn hat auch schon angefangen: Er spielt Euphonium. Das ist eine Tenortuba, die man mit dem Posaunenmundstück spielt. Ein perfektes Einsteiger-Instrument für Kinder, denen die große Tuba naturgegeben noch zu schwer ist. Für die Kinder fühlt es sich aber schon echt an – mein Sohn sagt auch nicht, er spielt Euphonium, wenn er gefragt wird, sondern, ganz klar: Er spielt Tuba.«

Stefan Tischler (c) Astrid Ackermann