»Mit 13 sagte ich: Ich will auf dieser Bühne sitzen«

Education 2018 Querflöte

Natalie Schwaabe wollte gerne im Schulorchester mitspielen. Also lernte sie Querflöte – und merkte trotz ein paar Hürden schnell, dass sie nie wieder damit aufhören wollte. Von Florian Zinnecker.

»Sehr viele Profi-Musiker, die ich kenne, sind vielseitig interessiert und hätten sicher auch einen anderen Beruf ergreifen können. Aber sie haben irgendwann, bewusst oder unbewusst, entschieden: Sie müssen Musiker werden. Das ist es, und nichts Anderes. Für mich war es so. Meine Mutter hat mich früh schon auf Orchesterkonzerte mitgenommen, mit 13 habe ich gesagt: Ich will auf dieser Bühne sitzen.

Als ich angefangen habe, war ich noch nicht ganz elf. Ich erinnere mich gut, wie wir meine erste Flöte abgeholt haben. Ein altes Instrument, es gehörte meiner Klavierlehrerin. Ich habe sie ausgepackt, zusammengebaut – und war felsenfest von meinem Irrtum überzeugt, dass sie links gespielt wird, nicht rechts. Am nächsten Tag hat meine Flötenlehrerin mir dann gezeigt, wie es richtig geht – aber vorher habe ich gegenüber meinen Eltern darauf beharrt, dass ich recht habe und schon weiß, was ich da tue.

Ich wollte unbedingt Flöte spielen lernen. Mit acht habe ich angefangen, Klavier zu spielen, davor schon Blockflöte – und dann bin ich aufs Gymnasium gewechselt und wollte im Schulorchester mitspielen. Mit Klavier ging das nicht, und meine Mutter war vehement dagegen, dass ich ein Streichinstrument lerne, wegen der vielen schrägen Töne am Anfang. Das war der eine Grund. Und der andere war, dass ich die Flöte hübsch fand, so schön silbern und golden. Und den Klang fand ich auch wunderschön. Das Schöne ist ja, dass man relativ schnell Melodien spielen kann.

Natalie Schwaabe bei ihren Anfängen.

Man fängt mit dem Kopfstück an. Um einen Ton zu erzeugen, bläst man Luft über eine runde Öffnung und bringt sie so zum Schwingen – so, wie man auf einer Flasche bläst. Es heißt ja immer, man kann von der Blockflöte leicht auf die Querflöte umsteigen. Das stimmt aber nur halb, denn man braucht wesentlich mehr Luft für jeden Ton, weil sehr viel Luft verloren geht.

Für den Klavierunterricht habe ich anfangs nie mehr als fünf Minuten am Tag geübt. Und ich erinnere mich gut an mein Entsetzen, als die Flötenlehrerin in der ersten Stunde sagte, ich solle jetzt jeden Tag eine halbe Stunde spielen. Das fand ich viel zu viel. Aus der halben Stunde wurde dann schnell eine ganze, bald zwei, und im Studium vier oder fünf. Aus heutiger Sicht war es ein großer Luxus, dafür Zeit zu haben, heute würde ich das nicht mehr schaffen, dafür übe ich heute viel konzentrierter. Aber egal, wie viel – wichtig ist, dass man regelmäßig spielt. Auch, wenn man als Erwachsener ein Instrument ganz neu lernt. Lieber spielt man wirklich nur fünf Minuten, dafür aber jeden Tag. Es geht ja auch darum, sich muskuläre Abläufe einzuprägen, das geht so viel einfacher, die Erfolge zeigen sich schneller – und nur dann macht es ja auch Freude. Das ging mir ganz genauso. Meine Lehrer waren sehr gut darin, mir die sportlichen Aspekte am Üben zu vermitteln. Und so habe ich tatsächlich auch sportlichen Ehrgeiz entwickelt, all die Tonleitern, Intervalle, Dreiklänge und was man nicht alles üben muss, zu bewältigen. Dieser Ansatz mag für viele Schüler schrecklich sein, für mich war es eine Chance, mich zu beweisen.

Und egal, mit welchem Instrument: Am allerwichtigsten finde ich, so bald wie möglich mit anderen zusammenzuspielen. Das zu erleben ist großartig, ich sehe es auch jetzt gerade bei meinen Kindern: Die müssen bitte nicht unbedingt gleich Profi-Musiker werden, aber wenn sie im Ensemble spielen, haben sie immer leuchtende Augen.«

Natalie Schwaabe (c) Astrid Ackermann