»Der Klang des Horns hat mich total fasziniert«

Education 2018 Horn

Seine erste Begegnung mit seinem heutigen Instrument hatte Carsten Carey Duffin bei »Peter und der Wolf«. Heute verbringt er bis zu sieben Stunden täglich damit – und das extrem gerne. Das Interview führte Florian Zinnecker. 

Herr Duffin, wann hatten Sie zum ersten Mal ein Horn in der Hand?
In der Musikschule – als die Hornklasse in der Musikalischen Früherziehung »Peter und der Wolf« vorgestellt hat. Jede Woche war ein anderes Instrument dran; als ich das Horn halten durfte, war es um mich geschehen. Danach habe ich meine Eltern ein halbes Jahr lang genervt, dass ich Horn spielen will. Irgendwann haben sie aufgegeben (lacht).

Das Horn, dass Sie damals in der Hand hatten: War das schon ein großes Instrument?
Nein, ein Kinderhorn. Das Rohr hat die gleiche Länge, ist aber enger gewickelt, damit man es besser halten kann. Ich war damals ja erst fünf Jahre alt.

Was hat Sie daran so fasziniert?
Kennen Sie das Motiv der Jäger aus »Peter und der Wolf«? Dieser Klang hat mich total fasziniert. Mein Bauchgefühl war eindeutig: Das ist es.

Wie lange dauert es, bis man auf einem Horn einen guten Ton spielen kann?
Das ist unterschiedlich, man sieht das ja auch bei Kinderkonzerten: Manche Kinder kriegen sofort einen großen Ton hin, bei anderen dauert es zwei Wochen, bis überhaupt ein tonähnliches Geräusch rauskommt. Bis man einen richtig schönen Ton produzieren kann, dauert es eine Weile. Man muss viel herumprobieren und versuchen, ein Gefühl dafür zu bekommen.

Und wie geht es dann weiter? Wie schafft man es, schön Horn zu spielen?
Ich bin der festen Überzeugung, dass es dabei extrem auf die eigene Klangvorstellung ankommt: womit man aufwächst, was einem gefällt und was nicht – ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass man das ab einem gewissen Alter gar nicht mal so sehr beeinflussen kann. Wenn man mit einem bestimmten Hornisten oder einer bestimmten Aufnahme aufwächst, dann endet das meistens damit, dass man genau diesen Klang auch selbst herstellen will.

Wer war das Vorbild, von dem Sie da reden?
Das war Radovan Vlatković. Mit seinen CD-Aufnahmen bin ich groß geworden, mein Papa hat mit ihm studiert, das lag also nahe. Ich habe sehr oft eine CD aufgelegt und einfach mitgespielt.

Wann war klar, dass es Ihr Beruf wird?
Einerseits relativ früh – weil man ab einem bestimmten Niveau häufig hört: Das ist was für dich, das musst du studieren, probier das mal. Ich war vor dem Abitur schon Jungstudent in Stuttgart, habe lange mit meinem damaligen Professor gesprochen – und die tatsächliche Entscheidung fiel dann doch relativ spät. Weil der Markt hart ist und undankbar, es gibt keine Garantie, egal wie gut man ist oder wie talentiert, man weiß nie, wie es läuft. Aber ich hatte zum Glück kein so schlechtes Abi, da hätte es auch andere Optionen gegeben.

Was macht einen guten Hornisten aus? Der Mensch oder sein Instrument?
Sagen wir’s so: Ein guter Hornist kann auch auf einem schlechten Horn gut spielen.

Wie viel Zeit verbringen Sie an einem normalen Tag mit Ihrem Instrument?
Wenn ich keinen Dienst habe, sind es zwei bis drei Stunden. Wenn ich Dienst habe, das heißt: Probe von 10 bis 16 Uhr mit einer Mittagspause, dazu morgens eine Stunde Einblasen und abends noch eine Stunde Üben – dann kommt man auf sechs, sieben Stunden. Aber natürlich spielt man dann nicht ununterbrochen.

Morgens eine Stunde spielen, abends nochmal eine Stunde – wie schafft man es, ein so lautes Instrument in ein normales Leben in München zu integrieren?
Ich habe zu Hause eine schallisolierte Übekabine, in der ich Tag und Nacht spielen kann, egal, wie spät es ist. So bin ich unabhängig von Proberäumen und den Ruhezeiten der Nachbarn. Aber es ist und bleibt natürlich viel Arbeit. Ich stehe gern früh auf, damit ich vor dem Dienst schon mal eine Stunde geschafft habe. Anders geht es nicht. Denn es rächt sich sofort, wenn man nicht dranbleibt. Wir sagen immer: Nach einem Tag hört man’s selbst, nach zwei Tagen hören es die Kollegen, und nach drei Tagen hört es das Publikum.

Carsten Duffin (c) Astrid Ackermann