Lutoslawski, Szymanowski, Tschaikowsky

Mariss Jansons, der amtierende Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, hat ohne Zweifel besonders prägenden Einfluss auf den Klangkörper. Auch in die Programmgestaltung bringt er neben den großen Vertretern des klassisch-romantischen Repertoires jene Komponisten ein, die bisher weniger im Fokus des Symphonieorchesters standen. Das gilt für Witold Lutoslawski und Karol Szymansowski ebenso wie für Alexander Tschaikowsky - Namensvetter des großen Peter Iljitsch.

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Karol Szymanowski, der imaginative Klanggebilde am Übergang von jugendstilhafter Spätromantik zu harmonischen Abenteuern im Grenzbereich herkömmlicher Tonalität schuf, schrieb 1914 bis 1916 seine „Dritte Symphonie für Tenorsolo, Chor und Orchester“. Ohne ins Klischeehafte abzugleiten, entwirft er ein phantastisches Tongemälde eines idealisierten Orients unter Einbeziehung eines persischen Textes aus dem 13. Jahrhundert.

Witold Lutosławski mischt in seiner Klangfarbenpalette für das „Konzert für Orchester“ von 1954 ebenfalls Lokalkolorit hinzu, allerdings in diesem Fall ein folkloristisch slawisches. Nicht zufällig spielt der Werktitel auf ein Hauptwerk des großen Komponisten und Volksmusikforschers Béla Bartók an.

Namensgleichheit mit einem Giganten der russischen Romantik besteht bei dem 1946 in Moskau geborenen Alexander Tschaikowsky, obgleich beide weder verwandt noch verschwägert sind. Seine „Symphonie Nr. 4“ ist ein klingender Friedensappell.

Der beteiligte Chor formuliert keine Worte, sondern schildert mit Naturlauten und illustrativen Tonsilben den Kontrast von natürlicher Harmonie und kriegerischen Ereignissen. Im Zentrum des Werks, das im Auftrag des großen Bratschisten Yuri Bashmet im Jahr 2005 entstanden ist, steht ein großes Bratschensolo, das in dieser Aufnahme vom Solobratschisten des Symphonieorchesters, Nimrod Guez, interpretiert wird.

Witold Lutoslawski

Konzert für Orchester

Karol Szymanowski

Symphonie Nr. 3 für Tenor, Chor und Orchester, op. 27 „Das Lied von der Nacht“
Solisten: Rafal Bartmimski (Tenor), Andreas Röhn (Solo-Violine)

Alexander Tschaikowsky

Symphonie Nr. 4 für Orchester, Chor und Solo-Bratsche, op.78
Solist: Nimrod Guez (Solo-Bratsche)

Chor des Bayerischen Rundfunks
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Dirigent: Mariss Jansons

Dezember 2008 / Januar und Oktober 2009

Label: BR-KLASSIK CD 900107