Dvořák: Stabat Mater

Antonin Dvořáks "Stabat Mater" ist aus tiefem Schmerz heraus entstanden. Gleich mehrere Schicksalsschläge hatte der Komponist vor und während des Kompositionsprozesses zu ertragen. Entstanden ist sein vielleicht eindringlichstes geistliches Werk, das im März 2015 auch die Zuschauer im Münchner Herkulessaal tief bewegte. Das Konzert mit Mariss Jansons am Pult von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist hier auf CD festgehalten.

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Dvořáks eindringliches „Stabat mater“ für Solostimmen, Chor und Orchester ist nicht nur das bekannteste kirchenmusikalische Werk des böhmischen Komponisten – es ist auch eine der eindrucksvollsten Vertonungen der mittelalterlichen Dichtung überhaupt, in der Maria, die Mutter Jesu, dem Schmerz um ihren gekreuzigten Sohn plastisch Ausdruck verleiht.

Ein Grund dafür mögen die schweren Schicksalsschläge gewesen sein, die die Entstehung des Werks begleiteten: 1876, wenige Monate nachdem seine neugeborene Tochter Josefa plötzlich verstorben war, hatte Dvořák mit den Entwürfen begonnen. Als dann im August 1877 innerhalb weniger Tage seine Tochter Ružena im Säuglingsalter an einer Vergiftung und sein dreijähriger Sohn Otakar an den Pocken starben und ihre Eltern kinderlos zurückließen, nahm er die Komposition wieder auf; er instrumentierte die Partitur und vollendete sie am 13. November 1877. Als das „Stabat mater“ am 23. Dezember 1880 in Prag erstmals aufgeführt wurde, erlebte es einen überwältigenden Erfolg, der wesentlich zur dauerhaften Festigung der Beliebtheit von Dvořáks Musik beitrug.

Bereits die bloßen Dimensionen der umfangreichen Komposition beeindrucken; die durchdachte Konzeption, eine symphonische Ausarbeitung und der durchgehende Ausdruck tief empfundener Innerlichkeit verleihen dieser Musik eine besondere Würde. – Doch selbst das eindrucksvollste Musikstück braucht eine kongeniale Interpretation, um zum Leben erweckt und zu einem wirklichen „Erlebnis“ zu werden. Am 26. März 2015 ist genau dies geschehen: bei dem Konzert im Herkulessaal der Münchner Residenz, das nun im Live-Mitschnitt bei BR Klassik vorgelegt wird, waren nicht nur die vier renommierten Solisten bestens disponiert. Der Chor des Bayerischen Rundfunks stellte einmal mehr jenen „glasklaren Klang“ und die „ungeheure Plastizität“ unter Beweis, für die er immer wieder in höchsten Tönen gelobt wird. Und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks musizierte Dvořáks ergreifende Musik unter der Gesamtleitung von Mariss Jansons authentisch und ganz im Sinne des Komponisten: sensibel empfunden und doch mit aller mitschwingenden Klangpracht.

Antonín Dvořák
Stabat mater für Soli, Chor und Orchester, op. 58

Erin Wall, Sopran
Mihoko Fujimura, Mezzosopran
Christian Elsner, Tenor
Liang Li, Bass

Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Mariss Jansons,Leitung

1 CD – Total time: 77:55
Booklet auf Deutsch / in English
BR-KLASSIK 900142