Ein junger Sommernachtstraum

Kinder- und Jugendprojekt von CAMPUS und BRSO

 

Wenn das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das Bayerische Staatsballett den „Sommernachtstraum“ im Programm haben, liegt es nahe, dass die beiden Vermittlungsprogramme – CAMPUS (Kinder-und Jugendprojekte der Bayerischen Staatsoper) und BRSO Education – ein gemeinsames Kinder- und Jugendprojekt entwickeln. Ein Kammerkonzert sollte es werden, bei dem Künstler und Schüler gemeinsam auf der Bühne stehen. Das Wichtigste: Die Beteiligten sollten die Möglichkeit erhalten, sich künstlerisch mit dem „Sommernachtstraum“ auseinanderzusetzen, ihre eigenen Ideen dazu zu entwickeln und zu präsentieren: mit Musik und Bewegung.

Aus diesem Grundgedanken ist ein Projekt entstanden, an dem elf Profimusiker aus Chor und Symphonieorchester des BR, ein Komponist, eine Musikpädagogin, ein Sprecher, eine Choreographin des Bayerischen Staatsballetts sowie 63 Schüler aus vier Schulen aus München und Umgebung mitwirken.

Workshops und Proben mit den Profis
Vor knapp drei Wochen begann die intensive Arbeitsphase mit Musikern und Tänzern, jede der vier Schülergruppen erarbeitet ihren Part in fünf bis sechs mehrstündigen Workshops und Proben mit den Profis: Kunst statt Schule. Konkreter Ausgangspunkt für die Arbeit der Kinder und Jugendlichen ist ein Arrangement des „Sommernachtstraums“ für Bläsernonett und Kontrabass in Kombination mit einem Text des österreichischen Autors Franzobel.

Unter Anleitung des Komponisten Minas Borboudakis, der Sängerin Sabine Staudinger und der Musikpädagogin Maxie von Neumann-Cosel sollen 13 Schüler des Kurt-Huber-Gymnasiums Gräfelfing, zwischen 14 und 16 Jahre alt, eigene Stücke als Ergänzung zu Mendelssohns Schauspielmusik entwickeln. Instrumental- oder Gesangskenntnisse haben sie alle, da sie ab Herbst gemeinsam in einer Band spielen, Motivation und Begeisterung sind da – aber wie fängt man so etwas an?

Viele neue Songideen
Die Schüler beschäftigten sich zuerst mit Mendelssohns Musik und Textpassagen aus Shakespeares Schauspiel. Was gefällt, was nicht, und warum? Und was hat das mit uns zu tun? Schnell wird klar: Es muss ein möglichst großer Kontrast zu Mendelssohn geschaffen werden, der zu den Jugendlichen und ihren Instrumenten passt. Minas Borboudakis‘ Vorschlag, Popsongs zu schreiben, wird begeistert – und nicht ohne eine gewisse Erleichterung, schließlich stehen ja „klassische“ Musiker vor ihnen – angenommen.

Ein Schüler findet, die heitere Musik des „Elfenchors“ passe überhaupt nicht zu Shakespeares Text, der von gefleckten Schlangen und langbeinigen Spinnen spricht und den er eher als drohend empfindet. Schon wird der erste Song entwickelt: Elfenkönigin Titania bekommt nun ein weiteres Schlaflied in Form eines Raps. Nach und nach entstehen vier Songs sowie einige Musiken, die Franzobels Text untermalen. Das Engagement und der Ideenreichtum der Schüler begeistern die Workshopleiter: Bereits am Morgen nach dem ersten Probentag kommen drei Jugendliche auf uns zu: „Wir haben gestern Abend noch einen Song für Helena geschrieben.“  „Mir ist gestern nach der Probe noch ein Lied für Titania eingefallen.“ So viel Einsatz war selten. Die Songideen werden nun in der Gruppe bearbeitet, verfeinert und so arrangiert, dass sie zur Besetzung passen: Hier ein Bläsersatz, da mehr Schlagzeug, vielleicht ein Background-Chor? Im Anschluss wird genau geprobt – der nicht ganz so kreative, aber eben auch nötige Teil des Musikmachens.

Präsenz ist gefragt, Konzentration und Ausdauer
Ein Besuch bei den Tänzern: In den Räumen des Bayerischen Staatsballetts probt Choreographin Anna Beke mit der ältesten Gruppe, Schülern zwischen 15 und 16 Jahren vom Carl-Spitzweg-Gymnasium in Germering. Sie stellen die Liebespaare dar und proben die schnell wechselnden Paarkonstellationen der menschlichen Figuren – Helena und Demetrius, Hermia und Lysander – in Duetten und Trios. Präsenz ist gefragt, Konzentration und Ausdauer: Dass Proben zwar Spaß machen kann, aber anstrengend ist, merken die Schüler auch hier schnell. Die jüngeren Tänzer – 12 Kinder der integrativen Montessori-Schule der Aktion Sonnenschein sowie 24 Schülerinnen des Gymnasiums Max Josef Stift – werden vorwiegend die Zauberwelt verkörpern: Titania und Oberon, Elfen, und natürlich die zentrale Figur des Puck. Nach und nach entstehen zu Mendelssohns Musik so fünf Choreographien, die Shakespeares Figurenreigen im Elfenwald als Ausgangspunkt für die Bewegung nehmen und ganz im Sinne Pucks Verwirrung stiften.

Am kommenden Sonntag werden dann alle vier Elemente des Projekts – Mendelssohns Musik, gespielt von 10 Solisten des BRSO, Franzobels Text, gesprochen von Wowo Habdank, sowie die Songs, Zwischenspiele und Choreographien der Schüler – in einer gemeinsamen Aufführung verwoben, in der zwar Shakespeare und Mendelssohn stecken, die aber die persönliche Annäherung der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen an den Stoff ebenso zeigt: einen vielseitigen und farbenreichen „Sommernachtstraum“.

 

Video

Impressionen von der Tanz-Werkstatt

Foto: Astrid Ackermann
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Konzertfotos

Foto: Astrid Ackermann
Foto: Astrid Ackermann
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